Du bist hier: Astronomie Beobachtungsberichte Sonnenfinsernis am 22. Juli in China - ein kleiner Reisebericht
Sonnenfinsernis am 22. Juli in China - ein kleiner Reisebericht PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Dienstag, den 06. Oktober 2009 um 10:11 Uhr

Schwarze Sonne im roten Land!
Bericht von der Sonnenfinsternis am 22. Juli 2009 in Wuhan / China:

Gemeinsam mit meinem Freund und chinesischen Arbeitskollegen Youtong Pang wurden bereits ab 2003 erste Pläne zur Beobachtung dieser längsten Sonnenfinsternis des 21. Jahrhunderts geschmiedet. Auf vielen Geschäftsreisen hatte ich Schanghai und das Umland schon etwas kennengelernt und so planten wir das kosmische Spektakel nicht zuletzt auch wegen der günstigen Wetterprognosen etwas Südlich von Shanghai zu beobachten.
Nach intensiver Studie der Wetterlage wenige Tage vor dem 22. Juli mussten wir jedoch diese Pläne verwerfen und so entschieden wir uns 2 Tage vor der SoFi nach Wuhan zu fliegen wo die Wetterprognosen etwas günstiger aussahen. 
So saßen wir also am Abend des 21. Juli nach getaner Arbeit im Flugzeug auf dem Weg ins etwa 500 km westlich gelegene Wuhan, der Hauptstadt der Provonz Hubei. Dort mieteten wir uns ein Auto und fuhren in östliche Richtung nach Gedian wo mein Arbeitgeber eine neue Produktionsstätte gebaut hatte. Dort bezogen wir gegen 22 Uhr ein  Hotel und gingen anschließend um die Ecke zu einem einfachen chinesischen Straßen-Restaurant wo wir trotz fortgeschrittener Stunde noch ein Hühner-Wok und ein paar kühle Tsingdao Bier bekamen was aufgrund der extrem warmen Temperaturen von über 30°C um kurz vor Mitternacht eine Wohltat war.

Die Nacht im Hotel war heiss, die kleine Zimmer-klimanlange brachte nur wenig Abkühlung und entsprechend schlecht konnte ich schlafen. Immer wieder stand ich auf um einen gebannten Blick auf den Sternenhimmel zu werfen. Um kurz nach 6 Uhr machten wir uns langsam auf den Weg um einen Beobachtungsplatz zu finden. Mit im Gepäck ein großes und verschwitztes weisses Bettlaken welches für die Beobachtung der fliegenden Schatten (besser Schattenbänder) ausgeliehen wurde. In einem nahegelegenen Straßenrestaurant frühstückten wir eine Portion frisch gemachter scharfer chinesische Nudeln und versorgten uns mit ausreichend Wasser. Gestärkt fuhren wir dann Richtung Norden und erreichten bald über schmale unbefestigte Wege den Damm des Jangtse um uns dort einen geeigneten Beobachtungsort zu finden.

Mittlerweile hatten sich die Schleierwolken auf den gesamten Himmel ausgebreitet so dass uns ein Standortwechsel nicht mehr sehr sinnvoll erschien. Wir bauten unsere kleine Ausrüstung bestehend aus einem Fujinon 10x70 FMT Fernglas mit Selbstbau Sonnenfilter auf und beobachteten den ersten Kontakt durch mittlerweile dichter gewordene Schleierwolken. Bald hatten wir auch schon erste Zaungäste der örtlichen Landbevölkerung die ebenfalls einen Blick durch das Fernglas genießen durften. Gebannt beobachteten wir die Ziehrichtung der Wolken und so machten wir uns Hoffnung dass sich eine am Westhimmel sichbare Wolkenlücke in der nächsten Stunde zwischen uns und die Sonne schieben könnte.

Langsam beobachteten wir wie der dunke Mond immer mehr von der Sonne verdeckte. Die Wolken waren relativ dicht ohne jedoch den Blick auf die Sonne komplett zu verdecken. Die Wolkenlücke im Westen hatte sich leider nur wenig bewegt und so entschieden wir uns ca. 10 Minuten vor dem 2. Kontakt spontan unsere Sachen zu packen und auf dem Damm etwas nach Westen zu fahren um dort unsere Chancen auf die Wolkenlücke zu erhöhen. Mittlerweile war es schon sehr dämmrig geworden, die Gockelhähne der nahen Bauern machten sich für die Nachtruhe bereit und sangen ein Gutenachtlied.

Die Sonne war nur noch eine schmale Sichel, ein Blick auf das weiße Bettlaken zeigte keine Schattenbänder wie sie während der Finsternis 2006 in Libyen eindrucksvoll über den Wüstenboden zogen. Im Westen wurde es rapide dunkler und bald standen auch wir im Kernschatten des Mondes. Durch die Wolken schimmerte die schwarze Sonne über dem Reich der Mitte. Im Zenit erstrahlte die hell leuchtende Venus - Merkur blieb unsichtbar.

Lange fünfeinhalb Minuten dauerte die Totalität, im Westen kündigte die Dämmerung bereits das Ende der Finsternis an und plötzlich blitzte der Diamantring auf und es wurde fast schlagartig wieder hell. Nach einem gemeinsamen Gruppenfoto verließen wir unseren Beobachtungsplatz um noch die neue Sto-Fabrik und die Wohnung von Wei Wang zu besichtigen der während der Wintermonate mit der Organisation des Fabrikneubaus beschäftigt war. Im Dachgeschoss seiner Wohnung hatte sich während der Sommerferien eine (Nachhilfe-?)Schule eingemietet -spontan spielte ich mit den Jungen noch etwas Tischtennis auf einer primitiven Tischtennisplatte. Es bleibt offen welches Erlebnis den Jungs mehr in Erinnerung bleibt - die Totale Sonnenfinsternis oder das Tischtennisspiel gegen die Langnase! :-)

Auf der Rückfahrt zum Flughafen fuhren wir dann noch an einigen Seen und Lotusteichen vorbei die sicherlich ein schöneres Ambiente für die Finsternis geboten hätten...

Auf dem Flughafen waren dann weitere Sofi Touristen aus aller Welt zu sehen. Unter anderem auch Dr. Shiloh Unruh aus den USA der mit seiner originellen Eclipse-Mütze die Aufmerksamkeit auf sich lenkte und ganz glücklich war ob seiner erfolgreichen SoFi Beobachtung.

Bei einem kühlen Tsingdao Bier legte sich dann langsam die Anspannung die ich noch immer verspürte. So langsam wurde mir bewusst wieviel Glück wir hatten die Finsternis überhaupt zu sehen. Viele Millionen Menschen in und um Shanghai hatten viel mehr Wetterpech und sahen bis auf die Dunkelheit gar nichts!

Impressionen vom 22. Juli 2009!

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 19. Januar 2010 um 11:09 Uhr
 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren